Leica CL Testbericht

19 Sep 2017, by Ingonick in Leica

Einleitung

Vor zweieinhalb Jahren hat Leica die Q (Typ 116) vorgestellt, die mit ihrem fest verbautem 28mm Objektiv mit traditionellem Blendenring und Schärfentiefeskala sehr an die M-Serie erinnert. Das Konzept einer Kompaktkamera mit Vollformatsensor scheint für Leica aufgegangen zu sein und die Kamera hat viele Freunde – auch außerhalb der üblichen Leica Gemeinde – gefunden.

Kurz darauf im Winter 2015 kam mit der Leica SL (Typ 601) die erste spiegellose Systemkamera für professionelle Fotografen aus Wetzlar, die sich insbesondere durch den EyeRes© genannten hervorragenden elektronischen Sucher auszeichnet, der bis heute unerreicht ist. Für mich war die SL – nach vielen Versuchen mit anderen Herstellern – die erste spiegellose Kamera, die meinen Anforderungen gerecht wurde und seit zwei Jahren nutze ich sie für meine Hochzeits- und Eventreportagen.

Bereits ein Jahr zuvor in 2014 zeigte Leica mit der T (Typ 701) eine von Smartphones inspirierte Kamera, die nach einem kleinen Upgrade und Umbenennung in Leica TL seit Juli 2017 durch die TL2 beerbt wurde.

Jedes dieser drei Modelle hat Besonderheiten, die von den Einen geliebt und von den Anderen bemängelt werden. Bei der sehr populären Q gibt es Stimmen, die sich ein Bajonett wünschen um Objektive adaptieren zu können, die SL wird in Kombination mit den SL-Zooms oft als „zu groß, zu schwer“ kritisiert (was völliger Quatsch ist, wenn man sich vergleichbare DSLR-Boliden anderer Hersteller anschaut) und bei der TL2 spaltet der fehlende Sucher und das Bedienkonzept per Touchdisplay die Gemeinde.

Einigkeit herrscht bei der für Leica typischen Bildqualität und der allgemeinen Qualitätsanmutung der verschiedenen Modelle.

Jetzt kommt mit der Leica CL ein weiterer Spieler ins Feld und die Frage ist nun natürlich, wie sich die Kamera innerhalb des Portfolios positioniert, was sie besonders macht und welche Eigenschaften sie mit den übrigen Modellen gemein hat. Wieviel Q steckt in der CL, ist sie vielleicht eine Mini-SL, der Nachfolger der Leia X oder einfach die Schwester der TL2?

Leica TL2 (Links), Leica SL (Hinten), Leica Q (Rechts) und Leica CL (Vorn)

Die Leica CL mit TL2 (Links) und Q (Rechts)

Leica CL mit Apo-Macro-Elmarit-TL 1:2,8/60mm ASPH.

Die Gerüchte über eine neue APS-C Kamera mit TL-Bajonett und dem Codenamen ‚Clooney‘ schwirren seit dem Frühjahr durch das Internet.

Ich hatte im Herbst die Gelegenheit, die Leica CL(-ooney) während des Betatest ausgiebig auszuprobieren und Leica Feedback zu geben. Dieser Artikel ist höchst subjektiv und beschreibt meine persönlichen Eindrücke und Erfahrungen während des Testzeitraums. Dabei betone ich die Aspekte, die mir aufgrund meiner Art der Fotografie bei einer Kamera wichtig sind und streife oder überspringe Details, die für mich keine Rolle spielen.

Ich mache keine Labortests, sondern habe die Kamera in der Praxis als Hochzeits- und Eventfotograf genutzt. Um ein runderes Bild zu bekommen und auch mal in Ruhe etwas probieren zu können, hat mich die Leica CL zusätzlich bei einigen privaten Projekten und im Alltag begleitet. Wichtig ist für mich immer die Frage: Bekomme ich die Bilder, die ich mir vorstelle und wie gut hilft mir die Kamera dabei?

Bei meiner folgenden Beschreibung vergleiche ich die CL öfter mit der SL, Q oder TL2 weil ich davon ausgehe, dass einige Leser ein entsprechendes Modell besitzen und die Information hilft, die CL besser einzuordnen. Eine Leica M habe ich übrigens (noch?) nicht im Portfolio. Deswegen kann ich sie für Vergleiche nicht heranziehen.

Gleich vorweg: Die Leica CL bietet trotz ihrer kompakten Abmessungen ‚sehr viel Kamera’ und hat während meines Tests alle Aufgaben mühelos gemeistert. Ich habe die Testkamera nur sehr ungern zurück nach Wetzlar geschickt und werde mir bei Erscheinen sicher ein Exemplar zulegen.

Für mich ist es ein großer Vorteil, alle vorhandenen Leica Objektive an der SL, TL2 und CL nutzen zu können und nicht redundant Objektive anderer Hersteller vorhalten zu müssen. Praktischerweise kann ich bei der CL auch meine Sigma BP-51 Ersatzakkus für die Q verwenden.

 

Daten

Die Leica CL ist eine APS-C Systemkamera mit 24 MP und besitzt meines Wissens den gleichen 23,6 x 15,7 mm großen Sensor wie die TL2. Die Auflösung beträgt 6.016 x 4.014 Pixel im DNG Format (6.000 x 4.000 bei JPG).

Gemäß Datenblatt sind die Abmessungen 131 x 78 x 45mm. Ohne den elektronischen Sucher und das Bajonett zu berücksichtigen, messe ich 31 mm Tiefe und das Gehäuse der CL ist damit knapp dünner als die Q wobei die CL ungefähr so hoch ist wie die TL2 (ohne Berücksichtigung des Sucherbuckels).

Leica CL mit TL2 (Links), Q (Mitte) und als Trio (Rechts)

Die CL wiegt 403 Gramm mit Akku und liegt damit im Vergleich zur TL2 (399g mit Akku aber ohne Visoflex) ungefähr gleichauf.

Keine Überraschung ist, dass die CL wahlweise DNGs oder JPGs (oder beides gemeinsam) aufnimmt. Die Kamera hat einen SD-Kartenslot und unterstützt SD- /SDHC- /SDXC Karten und den UHSII-Standard.

Die Leica CL hat ein integriertes WiFi, verzichtet aber auf alle Arten von Anschlüssen wie USB-, HDMI- oder Mikrofonanschluss.

Mit dem L-Bajonett stehen derzeit sieben TL-Objektive, die SL-Objektivpalette und per Adapter alle M-Objektive zur Verfügung. Der Novoflex SL/EOS Adapter für das Canon Bajonett wird nicht unterstützt. Zum Nikon Adapter kann ich leider nichts sagen, vermute aber, dass er an der CL auch eine Fehlermeldung erzeugt. Um Fremdobjektive zu nutzen, benötigt man einen einfachen Adapter ohne Übertragung von Objektivinformationen. Damit entfallen dann allerdings auch der Autofokus und die Möglichkeit, die Blende über die Kamera einzustellen.

Gehäuse und Design

Überblick

Beim ersten Blick auf die Kamera fallen einige Designanleihen aus dem aktuellen Leica-Portfolio auf. Die Rückseite mit lediglich drei Tasten links neben dem Display und dem Steuerkreuz auf der rechten Seite erinnert sehr an die M10, die Form des Gehäuses entspricht ziemlich genau der Q.

Das Display ist im Vergleich zur Q etwas nach rechts gerutscht um Platz für den elektronischen Sucher zu schaffen. Deswegen ist auf der rechten Seite auch kein Platz mehr für eine Daumenmulde wie bei der Q.

Neu sind neben einem kleinen Top-Display die beiden Einstellräder auf der Oberseite, die zusätzlich in der Mitte Einstelltasten haben. Die Konfiguration beschreibe ich weiter unten.

Die Oberfläche der CL ist feiner strukturiert als bei der Q. Die Kamera fühlt sich wertig an und liegt griffig in der Hand. Der bei der TL2 angedeutete Griff ist in meinen Augen aber ergonomischer. Den optionalen Handgriff der Q habe ich übrigens an der CL verwenden können, wenngleich er auch nicht 100% passt und man dann keinen Gurt montieren kann. Ich bin mir sicher, dass Leica dieses Zubehör auch für die CL anbieten wird.

Insgesamt spürt und sieht man auch ohne den roten Punkt, dass man eine Leica in der Hand hält, die den minimalistischen Prinzipien aus Wetzlar treu bleibt.

Rückseite

Der elektronische Sucher ist runder als bei der Q und ragt etwas aus dem Gehäuse heraus.

Links neben dem 3’’ Touch-Display sind eine Taste für die Bildwiedergabe, eine frei belegbare Funktionstaste und die Menütaste. Auf der rechten Seite befindet sich die Vierwege-Taste mit einer ‚Set’-Taste in der Mitte.

Links unten ist der Lautsprecher und rechts unten eine Status-LED.

Pfiffig: Um die Dioptrien einzustellen wird das Einstellrad herausgezogen. Wird es anschließend wieder eingeschoben kann sich der Wert nicht mehr versehentlich verstellen.

Versenkbares Dioptrien Einstellrad

Oberseite

Auf der Oberseite befindet sich zwischen den Einstellrädern ein kleines Display, auf dem der Aufnahmemodus, und je nach Aufnahmemodus die eingestellte Blende, Zeit und/oder Belichtungskorrektur angezeigt wird. Somit kann man die wesentlichen Parameter einstellen ohne auf das hintere Display schauen zu müssen.

Die beiden Einstellräder dienen – je nach Aufnahmemodus – zur Einstellung der Blende, Zeit oder Belichtungskorrektur und sind nicht konfigurierbar.

M-Modus: links Belichtungszeit, rechts Blende
A-Modus: links Belichtungskorrektur, rechts Blende
S-Modus: links Belichtungszeit, rechts Belichtungskorrektur
P-Modus: links Belichtungskorrektur, rechts Programm-Shift
Video- und Szene-Modus: Beide Räder Belichtungskorrektur

Mit der linken Einstellradtaste wird die Wahl des Aufnahmemodus (P-S-A-M-Video-Szene) aktiviert und anschließend über das Einstellrad ausgewählt.

Ein Druck auf die rechte Einstellradtaste aktiviert eine zuvor konfigurierte Funktion (bei mir im A-Modus ist es die ISO), die dann über das Einstellrad eingestellt wird. Mit einem langen Druck auf die Taste kann man aus einer vom Benutzer konfigurierbaren Auswahl von Funktionen auswählen. Im M-Modus mit aktivierter Auto-ISO nutze ich das Rad zum Beispiel für die Belichtungskorrektur. Damit fungiert das rechte Einstellrad als zweite FN-Taste.

Der Hauptschalter ist nicht beschriftet und hat wie bei der TL2 die Stellung ‚Ein’ und ‚Aus’, wobei im ‚Aus’-Modus ein kleiner roter Punkt sichtbar ist. Bei der Q wählt man mit dem Hauptschalter auch ‚Einzelaufnahmen‘ oder ‚Serienaufnahmen‘. Gelegentlich stelle ich die Q beim Einschalten versehentlich auf ‚C‘ wenn ich die Kamera mit einer Hand bediene. Bei der CL kann das nicht passieren, ‚S‘ oder ‚C‘ wird im Menü eingestellt. Der silberfarbene Auslöser hat einen angenehmen Druckpunkt.

Vor dem Blitzschuh sind zwei Mikrofone verbaut.

Unterseite

Auf der Unterseite befindet sich das ¼ Zoll-Stativgewinde und ein kombiniertes Akku- und SD-Kartenfach, das von der Q übernommen wurde.

Vorderseite

Neben dem Leica-Logo befindet sich die Selbstauslöser-LED und ein per Menü abschaltbares Autofokus-Hilfslicht.

Leica SL, Q, CL und TL2